Dublins Geschichte beginnt um das Jahr 841, als nordische Krieger an der Mündung des Liffey einen befestigten Hafen anlegten und ihre Siedlung Dubh Linn nannten – den 'schwarzen Teich'. Die Wikinger beherrschten die Stadt über Generationen und trieben Handel bis nach Island und ins Mittelmeer, bis die anglonormannische Invasion von 1170 Dublin unter englische Kontrolle brachte – ein Verhältnis, das die Institutionen, das Recht und den Grundriss der Stadt für die nächsten sieben Jahrhunderte prägen sollte. Das 1592 von Elisabeth I. gegründete Trinity College ist bis heute Irlands älteste Universität und bewahrt in seiner Old Library das aus dem 9. Jahrhundert stammende Book of Kells.
Die geschichtlichen Schichten der Stadt liegen dicht beieinander. Dublin Castle und die nahegelegene St. Patrick's Cathedral, 1191 auf den Resten einer älteren nordischen Kirche neu errichtet, erinnern an die mittelalterliche Stadt, während die eleganten georgianischen Plätze rund um Merrion Square und Fitzwilliam Square von Dublins Aufstieg im 18. Jahrhundert zur zweiten Stadt des britischen Empire erzählen. Wer den Liffey über die gusseiserne Ha'penny Bridge überquert, durch die Kopfsteinpflastergassen von Temple Bar schlendert oder in der Gravity Bar über dem seit 2000 geöffneten Guinness Storehouse ein Glas hebt, blickt über die Dächer einer Stadt, die auf Bier und Erzählungen gebaut ist.
Kaum eine Stadt dieser Größe kann vier Literaturnobelpreisträger vorweisen – William Butler Yeats, George Bernard Shaw, Samuel Beckett und Seamus Heaney –, dazu das Erbe von James Joyce und Jonathan Swift. Dieses literarische Gewicht fügt sich mühelos in die Pubs der Innenstadt ein, in denen traditionelle Musik noch auf die Straße dringt, statt für Touristen inszeniert zu werden, und in denen jedes Jahr im Juni das Bloomsday-Fest die fiktiven Wege Leopold Blooms durch reale Straßen nachzeichnet.
Was Dublin auszeichnet, ist die Dichte, mit der diese Geschichte zusammenkommt: Wikingerfundamente, georgianische Pracht, eine revolutionäre Vergangenheit rund um das General Post Office von 1916 und eine lebendige literarische Kultur teilen sich einen begehbaren Stadtkern – belebt von einer Stadt, die ihre Geschichte als Teil des Alltags begreift und nicht als etwas hinter Glas.