Der Standort Belfasts wurde bereits 1177 befestigt, als der normannische Lord John de Courcy hier eine Burg errichtete, doch die moderne Gestalt der Stadt geht auf das Jahr 1611 zurück, als Sir Arthur Chichester die Siedlung erhielt und sie an der Mündung des Flusses Lagan auszubauen begann. Das Wachstum verlief zunächst langsam, bis die Industrialisierung die Stadt im 19. Jahrhundert grundlegend veränderte: Leinenproduktion und Schiffbau zogen so viele Arbeiter an, dass Belfasts Bevölkerung von rund 25.000 im Jahr 1808 auf 385.000 im Jahr 1911 anstieg – zeitweise die größte Stadt der irischen Insel.
Diese industrielle Kraft brachte die Werft Harland & Wolff hervor, in der zwischen 1909 und 1912 die Titanic gebaut wurde, bevor sie im April jenes Jahres vom Stapel lief und ihre schicksalhafte Jungfernfahrt antrat. Das ehemalige Werftgelände, heute als Titanic Quarter vermarktet, wurde zwischen 2008 und 2012 grundlegend erneuert und beherbergt inzwischen Titanic Belfast, ein Museum, das zur meistbesuchten Attraktion Nordirlands wurde und allein 2023 mehr als 800.000 Besucher zählte.
Belfast wurde nach der Teilung Irlands 1921 Hauptstadt Nordirlands, und von den späten 1960er-Jahren bis zum Karfreitagsabkommen im April 1998 war die Stadt von einer als 'Troubles' bekannten Phase politischer und konfessionell geprägter Konflikte gezeichnet. Orte, die mit dieser Geschichte verbunden sind, darunter politische Wandmalereien und Friedensmauern, werden heute besucht, um die jüngere Vergangenheit der Stadt zu verstehen – neben der fortdauernden Versöhnungsarbeit, die auf das Abkommen von 1998 folgte.
Das heutige Belfast, mit rund 345.000 Einwohnern in seinem Verwaltungsbezirk, verbindet diese vielschichtige Geschichte mit sichtbarer Erneuerung: den umgebauten Lagerhäusern des Cathedral Quarter, dem 1845 gegründeten viktorianischen Campus der Queen's University und den Titanic Studios, in denen unter anderem 'Game of Thrones' gedreht wurde. Nur wenige Städte vereinen industriellen Wagemut, maritime Tragödie und jüngere politische Geschichte auf so kompaktem, zu Fuß erkundbarem Raum am Wasser.